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[P52-14] #4 – Ich bin…

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ich bin
…öfter mal ein Pechvogel.
Sei es der kaputte Autoschlüssel ein, zwei Tage nach Übernahme. Oder auf absolut unerklärlicherweise verschwundene Fotos, die im Rahmen meines Volontariats unbedingt für einen Zeitungsartikel herhalten sollten (nein, die Fotos sind nie wieder aufgetaucht). Ein geplatzter beruflicher Termin, weil die einzige Kreuzung weit und breit wegen eines Unfalls vollgesperrt war. Ein SuperComputerVirus, den ich versehentlich aktiviert und damit meinen und den Arbeitstag aller meiner Kollegen komplett lahm gelegt habe (von den Kosten mal ganz zu schweigen)…

Ach ja, da gäbe es noch so einiges mehr. Witziger- und unangenehmerweise zugleich passieren mir die blödesten Dinge allerdings immer am Anfang eines Arbeitsverhältnisses, der Ausbildung, eines Praktikums. Aber wenns löpt, dann löpts. Tröstlich, oder?

Alle anderen Wochenbeiträge zum Projekt 52 gibt’s hier:

Wie? Auch noch lesen?

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Die Mundwinkel bis in die untersten Ecken gezogen. Die Arme mit imaginären Bleigewichten behangen – anders könnte ich mir diese extrem dem Boden hingezogenen Schultern nicht erklären. Die bis eben vorhandene gute Laune in die Wüste geschickt. Oder woanders hin. Auf jeden Fall in sehr, sehr weite Ferne. Für immer und ewig verdammt. Das sonst so fröhliche Lächeln wird wohl auch nie wieder das kindliche Gesicht zieren. Davon kann ausgegangen werden, blickt man sich den elfjährigen Nachwuchs so an – kein Zweifel.

Es ist auch schon dreist von den Erwachsenen. Weniger von den Lehrern. Die verordnen ihren Schützlingen dieser Tage mehr Spielstunden als Unterrichtseinheiten. Die Sommerferien klopfen bereits an der Tür, die schon erstellten Zeugnisnoten haben sie mit im Gepäck. Wozu noch lernen?

Umso erstaunlicher, dass es in Vorbereitung auf die anstehende Projektwoche Hausaufgaben aufgibt. Schon nahezu eine Frechheit sondergleichen! Nicht die Informationsbeschaffung via Internet über das selbst gewählte Projektthema. Sondern vielmehr, die Ansage elterlicherseits, dass beschaffte Informationen erstmal gelesen (und bestenfalls verinnerlicht) werden wollen. Kein Wunder, wenn da die Wuttränen rollen.

Tz tz tz. Eltern gibts…

Jetzt ist er weg

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Jetzt ist er weg. Für immer. Kommt auch nicht wieder. Wohnt jetzt einige Kilometer entfernt von mir. *schnief*
Er fehlt mir so schrecklich!

Vielleicht sollte ich ihn mal heimlich besuchen? Nein, nicht ausspionieren oder stalken. Nur mal gucken, wie es ihm geht. Ob alles in Ordnung ist.

Dabei hab ich ihm extra nicht hinterher gesehen, als er mich verlassen hat. Nein, ganz standhaft bin ich in der Wohnung geblieben. Zu schmerzhaft wäre es gewesen, zu sehen, wie er nach fast achteinhalb Jahren von dannen zieht. Für immer.

Schon in den letzten Wochen, als sich der Abschied ganz unerwartet angekündigt hat, blieben meine Blicke beim Vorbeigehen immer wieder trauererfüllt an ihm hängen. So wie mein Herz seit Jahren an ihm hängt. *seufz*

Ein Hin und Her zwischen Verdrängen und in Erinnerungen schwelgen. Was haben wir alles zusammen erlebt!
Durch die größten Matschgräben, aus denen ich uns nie wieder herauskommen sah, haben wir uns schweißgebadet gekämpft. Sumpfige Wiesen. Holprige Pisten, die selbst erfahrene Offroad-Liebhaber herausfordern. Kasseler Berge, die zwischenzeitlich unbezwingbar erschienen. Großeinkäufe im Möbelladen. Romantische Abstecher an den Strand und… ach, was haben wir alles zusammen erlebt.

Und nun alles vorbei. Aus und vorbei. Blitzeblank herausgeputzt wie sonst seltsamerweise fast nie stand er abfahrbereit an der Straße. Klein, kompakt und unglaublich süß – wie immer. Wie gern hätte ich mich ein letztes Mal zu ihm in ihn gesetzt, eine letzte Runde gedreht. Nochmal bei voller Radiolautstärke und offenem Fenster. Aber hätte es den Abschied wirklich einfacher gemacht?

Nie hätte ich gedacht, dass es wirklich so hart ist, seine erste große Autoliebe zu verlieren.
Da spendet auch der gleichfarbige Nachfolger keinen Trost.

My first auto-love

 

Huch, das war wohl mein Todesblick

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„Sie hat genau gesehen, dass du sie mit deinen Blicken brutal getötet hast,“ ließ mich Großer Schatz am Tag nach unserer ersten Geburtsvorbereitungsstunde wissen.

Na und? Soll sie doch!
Ganz ehrlich, ich find die Hebamme absolut klasse. Gut gelaunt und superwitzig. Nur ihre Einstandsübung – für berufstätige Eltern wie wir, nach einem Zehn-Stunden-Arbeitstag – war alles andere als witzig. Nicht mal ansatzweise zum Schmunzeln geeignet. Stattdessen hätte ich lieber gleich die Flucht nach vorn bzw. nach draußen angetreten. Ernsthaft.
Acht schwangere Paare stehen sich im Kreis gegenüber und halten die Arme auf Schulterhöhe, so dass die eigenen Hände sachte aneinanderstoßen. Klingt erstmal harmlos. In Wirklichkeit ist es die Hölle. Nach zehn Minuten! Nein, das stimmt nicht ganz. Sie ist auch schon vor Ablauf der zehn Minuten eine reinste Qual.

Okay, ich geb zu, ich konnte die Uhr gar nicht sehen. Musste mich also auf meine innere Uhr verlassen. Die hingegen versicherte mir hoch und heilig, geschlagene 60 Minuten in dieser beknackten misslichen Lage gesteckt zu haben. Mein Bizeps protestierte sekündlich lauter und drohte sogar damit, mir die Oberarmenhaut zu sprengen. Jawohl!

„Ihr könnt alles tun, was ihr wollt, damit es für euch angenehmer wird – außer die Arme runternehmen“, schlug die Hebamme uns von Zeit zu Zeit vor und wiegte sich dabei selig lächelnd nach links und rechts.
Wie zu grimmigdreinblickenden Salzsäulen erstarrt, gaben alle regungslos ihr Bestes und hofften auf ein schnelles Ende dieser Endlosqual.
Nur ein einziger Teilnehmer, ein Mann, tat es der Hebamme gleich und schaukelte mit zufriedenem Gesichtsausdruck hin und her. Ohne seine Arme auch nur einen Zentimeter absacken zu lassen. Es war genau jener Mann, der mir am nächsten Tag erzählte, er – und auch die Hebamme – hätten meine Todesblicke ganz genau wahrgenommen…

Und ich hatte mir schon Sorgen gemacht, ein siebenwöchiger Partner-Geburtsvorbereitungskurs könnte meinen Schatz langweilen.

19! Nur noch!

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„Jetzt gucken Sie nicht so!“ Mein Chef und seine typisch hanseatische Direktheit.
Trotzdem stehe ich noch immer wie angewurzelt vor seinem großen Schreibtisch und starre mit festgemeißelter Miene an ihm vorbei, direkt auf den Wandkalender.

„Aber…aber…“ So richtig viele Worte wollen sich in mir gerade nicht zusammenfinden. Viel zu tief sitzt der Schock. „Das geht alles so schnell“, jammer ich hilflos vor mich hin. „Das ist ja nur noch so wenig Zeit“, seufzt es als Nächstes aus mir heraus.

„Das haben Sie sich selbst eingebrockt. Von uns ist keiner schwanger geworden, um sich vor der Arbeit zu drücken“, kontert mein Lieblingsarbeitgeber schroff. Natürlich hat er recht. Mit dem ersten Satz. Den zweiten meint er ja gar nicht so, wie er ihn sagt. Kleine Humoreinlage.

„Trotzdem!“, entgegne ich und beginne erneut auf den Kalender zu starren. Vielleicht lassen sich ja doch noch ein paar Tage mehr rausglotzen. Wäre nicht schlecht. Aber nix da. Nur noch ganze 19 Arbeitstage. 19! Nur noch! Dann beginnt mein Mutterschutz. Auch nur, weil Chef aufgefallen ist, dass mir noch vier freie Tage zustehen. Die solle ich nicht verschenken.

Dabei habe ich doch noch sooo viel zu tun auf Arbeit, bevor ich mich vorübergehend verabschiede. Lange beiseite Geschobenes aufarbeiten. Meinen Elternzeitvertreter-Kollegen in alles (ich wiederhole: ALLES) ordentlich einarbeiten. Alte Mitschriften und Unterlagen für den persönlichen Gebrauch sortieren und abheften (was ich mir so seit zwei Jahren fest vornehme). Ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich fallen in die 19 Tage glatte zwei Wochen Urlaubsvertretung sowie drei Tage, an denen ich bei einem Kunden vor Ort arbeiten werde…

Schweren Herzens schlurfe ich nach diesem Gespräch zurück zu meinem Platz. Vergewissere mich an dem dort sichtbaren Wandkalender nochmal über die Lage der Dinge. Vielleicht haben wir ja doch noch einen oder sogar zwei Tage übersehen. Das wäre nicht schlimm, sondern hilfreich. Aber… wieder nix. Es bleibt bei 19.

Stattdessen beschließe ich, dass die fünf weiteren Tage, die mich rein formell von der Arbeit fernhalten würden und welche Chef gerade übersehen hat, lieber nicht erwähnt werden sollten. Denn was bleibt denn dann sonst noch?!? *seufz*

 

Anmerkung:
Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, was ich in meiner arbeitsfreien Zeit mit mir und anderen anstellen könnte. Im Gegenteil. Tausend Dinge und mehr drängen sich da sofort auf die Wunschliste. Und ich freu mich schon riesig auf diese Zeit. Aber es ist auch so, dass mir meine Arbeit extrem viel Spaß macht.

Ging es den Müttern unter euch ähnlich oder genauso?
Das Gespräch ist übrigens schon einige Tage her und die Zeit hat seitdem nichts an ihrer Geschwindigkeit verloren 😦 .