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Erinnerungslücke

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„Spreche ich mit Frau federfee?“, fragt mich vorhin eine männliche Stimme am anderen Ende der Handy-Verbindung. Erstmal möchte ich wissen, worum es geht. „Sie haben letztes Jahr im September bei einem Gewinnspiel teilgenommen. Für einen Audi oder eine Reise nach Dubai. Erinnern Sie sich?“ Ehrlich gesagt, und ich bin ehrlich zu ihm, „Nein.“
„Das war am 14. September. Wissen Sie noch?“ Immer noch „Nein.“ Schließlich fülle ich schon seit Jahren keine dieser ach-so-gewinnbringenden Karten mehr aus.

Ich weiß gar nicht, warum es so bedeutend sein soll, ob ich mich an genau dieses Gewinnspiel erinnere oder nicht. Kommt doch sowieso jeden Moment die traurige Gewissheit, dass ich leider, leider nicht den Hauptpreis gewonnen habe. Mir netterweise jedoch zum Trost ein Zeitungsabo meiner Wahl geschenkt wird. Geschenkt, zu meinen Kosten, versteht sich.
Aber dieser Herr spannt mich noch etwas auf die Folter. Versucht meine verloren gegangene Erinnerung mittels Vorlesen meiner auf dem Teilnahmekärtchen eingetragenen Adresse wiederzufinden. „Moment mal“, muss ich ihn leider unterbrechen. „Das ist dann aber nicht letztes Jahr gewesen, sondern vor etwa zehn Jahren. Dort wohne ich schon seit neun Jahren nicht mehr!“

Ich glaub, jetzt wird ihm klar, warum ich mich nicht mehr an den besagten 14. September erinnern kann. Glaube ich. Er glaubt vielmehr etwas ganz anderes. „Da hat Ihnen wohl jemand einen Streich gespielt.“ Ach ja. Ganz bestimmt. Und es ist sicher auszuschließen, dass es sich nicht um uralte Datenbanken handelt? Was wird denn jetzt nun aus meinem Auto? Oder der Dubai-Reise? (wobei ich dem Auto am wenigstens abgeneigt wäre)
Nix. Nicht mal Zeitschriften-Abo wird mir angeboten – so als Wiedergutmachung, für die offenbar irrtümliche Datenerfassung. Stattdessen eine Entschuldigung für die vertane Zeit.

Aber vielleicht hatte ich ja doch gewonnen? Womöglich ist die Auslosung nur ein wenig verschoben worden. Kam bestimmt etwas wirklich Wichtiges dazwischen. Kennt doch jeder. Wenn ich mir das recht überlege – ich glaub, ich weiß noch genau, was ich an all den 14. September’s gemacht habe, an denen ich noch ganz woanders gewohnt habe…

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Einen Tusch bitte fürs erste Handy

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Es gibt Momente im Leben, die zählen eindeutig zu den einschneidenden. Das gilt auch für Eltern. Der erste Zahn. Das erste Wort. Die ersten Schritte. Die Einschulung… Doch die Zeiten ändern sich und irgendwie muss diese Uraltliste dem modernen Lebensstil angepasst werden. Zum Beispiel mit dem „Ersten Handy“. Für mich ein Punkt, den ich am liebsten erst nach „Erste große Liebe“ gesetzt hätte. Okay, vielleicht auch kurz davor oder gerade zeitgleich. Aber so ungefähr. Die seit Jahren von Junior wiederholte Frage, wann er denn endlich auch (Betonung liegt auf AUCH) ein Handy bekommen würde, hätte ich locker noch einige Jahre länger abwiegeln können. „Wir sind ja schließlich nicht die anderen“ (mein Lieblingshasszitat aus meiner Kindheit und Jugend).

Doch die Zeiten ändern sich. Kinder müssen nicht mehr im Morgengrauen durch meterhohen Schnee zehn Kilometer zu Fuß zur Schule stapfen. Und der Mama-Wunsch, dem Spross die eine oder andere ach-so-wichtige Mitteilung am liebsten sofort und direkt in den Schulranzen zu simsen, kommt immer öfter auf.
Aber nein. Man denke nur an die gesundheitlichen Folgen dieser Mini-Technik-Wunder. Allein die Strahlung!

Ein paar Jahre gehen noch, war ich überzeugt und ließ mich jüngst von meinem Verstand kurzfristig eines Besseren belehren. Immerhin stand Juniors erste Ferienfahrt ohne uns an. Eine Woche ohne elterlichen Schutz, entfernt in einem uns bekannten Ort, eine ganze Autostunde entfernt. Wenn da mal was ist und er uns nicht erreichen kann! Telefonkarte? So ein Quatsch! Man kennt das doch noch aus eigener Erfahrung. Da muss man erstmal zur nächsten Telefonzelle, welche dann zufälligerweise auch betriebsbereit sein muss und und… Naja, kommt jeden Falls nicht infrage.

Also ein eigenes Handy. Kann ja hinterher ab und zu auch ganz nützlich sein. Nicht ständig, versteht sich. Natürlich nicht! (Die Strahlung!) Eine kurze Einweisung in die wichtigsten Funktionen und los gehts. In der Hoffnung, er merkt sich die Schnellanweisung und gibt tatsächlich am Tag oder Abend der Ankunft ein kurzes fernmündliches Lebenszeichen von sich, verabschieden wir ihn vormittags in die elternfreie Zeit. Zugegeben, großer Schatz hat sich von allen Bedenken ums mögliche Handy-nicht-verstehen befreit und ihn stattdessen optimistisch zum Selbstausprobieren sämtlicher Funktionen aufgefordert. Außer Internet, selbstverständlich. Wo kämen wir denn da hin? Ein Neunjähriger mit dem Handy im Internet… Hach, hoffentlich tippt er den Sicherungscode nicht versehentlich dreimal falsch ein und…

Die Stunden vergehen, einen Anruf vom Sohnemann gibts nicht. Er wird sicher einfach zu beschäftigt sein. Ist schon in Ordnung.

Der Abend naht – kein Anruf. Ein gutes Zeichen. Bestimmt. Jedenfalls leidet er dann nicht unter Heimweh.

Die Tage, ja die ganze Woche, schreitet in normaler Geschwindigkeit an uns vorüber. Wir nutzen die kindfreien Stunden. Aber einen Anruf… den gibts nicht. Kinder sind eben gut abgelenkt in Ferienlagern. So soll das sein. Immer was los. Nein, wir rufen nicht an. Vermutlich hört er das Handy gerade sowieso nicht. Er sollte es doch im Zimmer lassen, ist ja nur für Notfälle. Kinder brauchen Freiheiten! Genau.

Stattdessen spekuliere ich lieber auf die versprochene Postkarte, die er uns schreiben soll will.

Der Tag des Wiedersehens ist gekommen. Es gibt viel zu berichten. „Ich habe den größten Strandkorb der Welt gesehen! Soll ich dir den mal zeigen? Den habe ich fotografiert!“
Fotografiert? Er hatte doch gar keine Kamera dabei?! „Aber mein Handy,“ erklärt mir Junior ganz selbstverständlich und lässt mich umgehend an den fotografisch festgehaltenen Erinnerungen teilhaben. Er kann die Bilder sogar zoomen. Und in einwandfreiem Deutsch sind sie auch noch beschriftet. Und das von ihm, dem Lese- und Schreibmuffel in persona. Ich sehe und staune. Woher weiß er das nur? „Hab ich ausprobiert.“

Die Zeiten ändern sich eben. Die Kinder müssen nicht mehr in den frühen Morgenstunden durch meterhohen Schnee abertausende Kilometer zur Schule irren. Sie benutzen einfach die GPS-Funktion ihrer Handys. Ach was, sie laden sich den Unterrichtsstoff zu Hause im Bett einfach als App herunter, setzen vor die App noch ein „R“, um die Gehirnnahrung als „Rapp“ (ich weiß, aber auch die Rechtschreibung ändert sich rasant) bei Youtube hochzuladen. Für die Benotung nutzen die Lehrer einfach die „Like“-Buttons oder für eine genauere Bewertung die „Rate this“-Sternchen…

Höchststrafe für den Erstplatzierten

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Sie haben es echt nicht leicht.
Nicht so lange es noch mehr Handys wie meines gibt.

Mit A… beginnend belegt der Namensträger den ersten Platz in meinem Handy-Telefonbuch. Dass ihm das durchaus zum Verhängnis werden könnte, merkte er spätestens als mein kleines weißes, unschuldig aussehendes Mobiltelefon meinte, mangels Tastensperre ihm mal eben 10 SMS am Stück schicken zu müssen.
Alle gleichlautend. Alle nicht für ihn bestimmt. Er ist nun mal der Erste im Telefonbuch.

Erklären konnte ich es ihm leider nicht – fortan war sein Handy dauerhaft ausgeschaltet…

Ich hoffe, er hatte es auch heute früh außer Betrieb.
Heute früh um 3.55 Uhr, als ich statt den Handy-Wecker auszustellen, versehentlich jemanden angewählt habe. Nein, nicht irgendjemanden. Nur eben den Erstplatzierten aus der Telefonliste…

Wie wär’s mit der Indianermethode?

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Bitte, liebe Ich-erzähl-in-der-Bahn-jedem-mein-Leben-und-tu-dabei-so-als-würde-ich-telefonieren-Leute,

stellt die Lautstärke eures für alle anderen unhörbaren Gesprächspartners auf Maximum. Erst dann macht das Zwangslauschen richtig Spaß.
Ein, zwei Überall-und-immer-Telefonierer haben es die Tage schon mal demonstriert. Ohne Aufforderung, übrigens.

Und tatsächlich – selbst mit drei Metern Abstand ist jedes Wort aus der Funkleitung verständlich!

Nun weiß ich endlich, dass IHR Vater nicht nur total abdreht, sondern in diesem Moment mit seinem neuen Dienstwagen der eigenen Ehefrau nachstellt. Stadtteil? Straße? Na klar, weiß ich das auch. Handy und Telefonierer waren ja laut genug eingestellt. Oder war das etwa lediglich die normale Sprechlautstärke?

Oder wäre es nicht viel fortschrittlicher, wir würden zur Telepathie zurückkehren? Der stillen Kommunikation, der sich (angeblich) schon die Indianer bedient haben?!?

Welch kuriose Vorstellung, sich gedanklich zu „verwählen“ und gleich seine ganzen Gedanken und Gefühle demjenigen auszuschütten…und was ist mit dem, der die Informationsflut per Telepathie gar ablehnen möchte? Gibts da eigentlich auch eine Auflegtaste?

(un)gestört (un)gehört

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Wer kennt es nicht? Man sitzt in der Gruppe zusammen, das Handy klingelt, man steht auf, entfernt sich ein paar Meter und telefoniert ungestört – sowohl für das Umfeld als auch für sich selbst.

Warum sollte diese Kombination aus Höflichkeit und Datenschutz in der S-Bahn wegfallen? Eben.

Also, vier Mädels quatschen sitzend durcheinander. Ein Handy klingelt, die Besitzerin steht auf, geht zwei Schritte – dann ist sie bereits an der Tür. Aussteigen ist grad ungünstig, die Bahn fährt ja. Daher verbleibt sie an beschriebenem Zufluchtsort und spricht in ihr Mobiltelefon informiert lautstark den kompletten Rest der Mitfahrenden über ihr morgiges Vorstellungsgespräch, ihre Wohnadresse etc. Dass sie dabei ihre Lippen frontal zum Handy bewegt, erweckt lediglich den Anschein, sie würde telefonieren.

Naja, wenigstens hat sie die Höflichkeit besessen und ist zum Telefonieren aufgestanden und an die Seite gegangen…