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P52 #42 – 0/8/15

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Ja, ja. Meine Tage als Mama in der Elternzeit sind schon superschön.
Aber ab und an auch einfach nur 0/8/15.
Großen Sohn für die Schule vorbereiten, mit ihm frühstücken. Babyanimation von 7 bis 19 oder 20 Uhr. Manchmal auch erst ab 8 Uhr. Dazwischen ein paar Windeln wechseln, vielleicht ein bisschen was einkaufen und natürlich noch meinen „Lieblingsfreund“ Herrn Haushalt bespaßen. Dazu das regnerische Herbstwetter vom Fenster beobachten.

Nicht spektakulär. Aber es ist eben auch nicht jeder Tag für etwas Besonderes erdacht. Oder?

Projekt 52 - Woche 42

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Jetzt ist er weg

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Jetzt ist er weg. Für immer. Kommt auch nicht wieder. Wohnt jetzt einige Kilometer entfernt von mir. *schnief*
Er fehlt mir so schrecklich!

Vielleicht sollte ich ihn mal heimlich besuchen? Nein, nicht ausspionieren oder stalken. Nur mal gucken, wie es ihm geht. Ob alles in Ordnung ist.

Dabei hab ich ihm extra nicht hinterher gesehen, als er mich verlassen hat. Nein, ganz standhaft bin ich in der Wohnung geblieben. Zu schmerzhaft wäre es gewesen, zu sehen, wie er nach fast achteinhalb Jahren von dannen zieht. Für immer.

Schon in den letzten Wochen, als sich der Abschied ganz unerwartet angekündigt hat, blieben meine Blicke beim Vorbeigehen immer wieder trauererfüllt an ihm hängen. So wie mein Herz seit Jahren an ihm hängt. *seufz*

Ein Hin und Her zwischen Verdrängen und in Erinnerungen schwelgen. Was haben wir alles zusammen erlebt!
Durch die größten Matschgräben, aus denen ich uns nie wieder herauskommen sah, haben wir uns schweißgebadet gekämpft. Sumpfige Wiesen. Holprige Pisten, die selbst erfahrene Offroad-Liebhaber herausfordern. Kasseler Berge, die zwischenzeitlich unbezwingbar erschienen. Großeinkäufe im Möbelladen. Romantische Abstecher an den Strand und… ach, was haben wir alles zusammen erlebt.

Und nun alles vorbei. Aus und vorbei. Blitzeblank herausgeputzt wie sonst seltsamerweise fast nie stand er abfahrbereit an der Straße. Klein, kompakt und unglaublich süß – wie immer. Wie gern hätte ich mich ein letztes Mal zu ihm in ihn gesetzt, eine letzte Runde gedreht. Nochmal bei voller Radiolautstärke und offenem Fenster. Aber hätte es den Abschied wirklich einfacher gemacht?

Nie hätte ich gedacht, dass es wirklich so hart ist, seine erste große Autoliebe zu verlieren.
Da spendet auch der gleichfarbige Nachfolger keinen Trost.

My first auto-love

 

Jetz ma Budder bei de Fische

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„Nun sag schon, wer hat den Weihnachtsmann erfunden?“

Besser kann ein Mutter-Sohn-Gespräch kaum beginnen. Jedenfalls nicht im Dezember. Wahrscheinlich, so nehme ich stark an, habe ich mich sowieso gerade verhört. Sicherheitshalber frage ich mal eben nach. Entsetzt, fassungslos und möglichst gelassen zugleich.

„Hääh? Wie kommst du darauf, dass der Weihnachtsmann erfunden ist???“

Junior, stets an seines Mutters Wohl interessiert, gibt mir eine zweite Chance. Anscheinend hat er längst gemerkt, die Wortwahl hat entscheidenden Einfluss auf die Reaktion des Gegenübers. Also nochmal:

„Na dann eben: Wie hat das mit dem Weihnachtsmann angefangen?“

Oh Mann. Er weiß es. Ich weiß schon länger, dass er es weiß. Und seitdem warte ich nur darauf, dass er endlich mal Tacheles mit uns redet. Aber nichts. Das ganze Jahr über kamen Fragen, die die Existenz des Weihnachtsmannes (und damit verbunden die des Osterhasen und des Nikolauses) seinerseits gehörig in Frage stellen sollten. Für argumentierkreative Eltern – mein Schatz und ich schließen uns da ein – kein Problem. Im Gegenteil. Ein reines Vergnügen!

Ein einfaches, ernstes „Ich weiß, dass es ihn nicht gibt. Ihr könnt aufhören mir was vorzumachen“ hätte es womöglich sofort beendet. Naja, vielleicht nicht sofort.

Aber nein, Junior fragt drumherum. Immer wieder. Und wir müssen immer wieder zwischen Gewissen, Verstand und Pädagogischem Grundgedanken vermitteln, wie lange ist es sinnvoll, das Kind bewusst zu täuschen?

Nun gut. Ich habs getan. Die Geschichte um Weihnachtsmann, Osterhase und Nikolaus ist beendet. Aber nur in der Annahme, alle Gleichaltrigen würden genauso aufgeklärt sein.

Während mein großer Schatz noch versucht, zu retten, was zu retten ist („Der Weihnachtsmann schaltet am 24.12. seine Turbozeit ein“), ist für Filius der Drops gelutscht. Verarschen lässt er sich damit jetzt nicht mehr.

Trotzdem tauchen Weihnachtsmann, Nikolaus (und der Osterhase) in der diesjährigen Adventszeit für uns Eltern noch als real existierende Gestalten auf. Junior scheint kein Trauma von diesen Merkwürdigkeiten bekommen zu haben.

Aber ich. Nicht als Kind, sondern jetzt.

Ohne Weihnachtsmann, Nikolaus und Osterhase fehlt plötzlich etwas ganz Bedeutendes – der Zauber…

 

 

Tränen am Morgen

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Morgens halb 8 in der S-Bahn.

Mir gegenüber ein junger Anzugträger, die Caprisonne geräuschvoll ausgeschlürft, die BILD aufgeschlagen und seinem Gesprächspartner übers edle Blackberry versprechend, gleich da zu sein. Karrieretyp eben.

Die Bahn fährt immer langsamer, lässt die Pendler bereits jetzt schon spüren, wie es sein wird, wenn in weniger als zwei  Wochen die Bauarbeiten auf dieser Strecke beginnen.

Dem Juppie ist’s scheinbar egal. Er vertieft sich in die drei Sonderseiten über die Michael-Jackson-Trauerfeier vom Vorabend. Betitelt mit „Die Welt nimmt Abschied von Michael Jackson“ zeigen Fotos weinende Menschen in Pakistan, trauernde Frauen in L.A., bestürzte Fans in Rio de Janeiro und in einem Kino sitzend bedrückte Deutsche.

Ein ganz normaler Morgen.

Würde nicht plötzlich die rechte Hand des jungen Anzugträgers zügig die rechte Wange hinauf und unter die stylische Brille huschen. Die Augen rot, gefüllt mit Tränen.

Kein normaler Morgen in der S-Bahn, dafür aber ein berührender Moment, der den ganzen Vormittag anhält…